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28. Januar 2017 6 28 /01 /Januar /2017 20:47

vor dem Start Bärbel, Kerstin, KatiNach der Schmach von Mörfelden ist für mich, Theo, zweierlei klar: Erstens werde ich in diesem Zustand nicht so bald wieder an den Start gehen und zum zweiten: ich habe bei den Mädels etwas gut zu machen. Also erkläre ich mich spontan bereit, die Mädels nach Rodgau zu bringen, sie dort zu coachen und wichtig, sie wieder heile nach Hause zu bringen.

 

Für Bärbel ist es Premiere in Rodgau. Kerstin und ich haben ihr so viel vorgeschwärmt, dass ihr nix übrig bleibt, als dort anzutreten. Auch für Kerstin ist der Start dort in ihrer derzeit guten Form und mit dem großen Ziel Pflicht, eine Gelegenheit, die sie sich nicht entgehen lassen will. Über die Modalitäten in Rodgau habe ich bereits alles geschrieben, wer mag kann in diesem Blog zurückblättern. Wesentlich: es handelt sich um eine fast ebene, durch Wald und Flur führende 5 Km-Strecke, die als Rundkurs im Idealfall (was aber weder Bärbel noch Kerstin vorhaben) zehnmal durchlaufen wird.

In der Frühe ist es auch heute noch recht kühl, die versprochene Milderung lässt auf sich warten. Um 9 Uhr am Start sind es immer noch - 6 Grad. Aber die Sonne wärmt schon etwas und der Wind wird sich heute von seiner sanften Art zeigen. Als Coach habe ich die Mädels gebrieft: langsam laufen, für die Runde 35 bis 37 Minuten (was man an der Uhr im Start/Ziel gut kontrollieren kann) einplanen und in jeder Runde die Verpflegungsstation ausgiebig nutzen, von wegen Hungerast und so.

Der größte Pluspunkt von Rodgau ist zweifellos die Gewissheit, dass man dort die Kati antreffen wird. Kati und ich kennen uns jetzt schon einige Jahre, sind locker per Mail in Kontakt und sehen uns ein oder zweimal im Jahr, meist entweder in Kandel oder in Rodgau. Immer wieder schön, sie zu sehen mit ihrer positiven Stimmung und ihrer Fähigkeit auch den kleinsten Hobbyläufer zu motivieren. Aufgrund dieser Eigenschaften ist sie sehr bekannt in der Läufercommunity, beliebt sowieso und ständig in Gespräche verwickelt.

Nach dem Start ziehe ich mich zurück, ich habe in der Nähe etwas zu erledigen, das mit Sport nichts zu tun hat. Doch bald bin ich zurück, gerade rechtzeitig um die beiden einträchtig in die 4. Runde laufen zu sehen. Sieht alles gut aus. Sie sind bei 1:51, also genau 37 Minuten pro Runde.

Da es im Start-Ziel-Bereich doch noch etwas schattig ist, beschließe ich, die sonnigen Abschnitte der Laufrunde aufzusuchen. Zunächst treffe ich auf Achim, der als Bärbels treuester Fan extra die Anreise auf sich genommen hat. Respekt! Das Läuferfeld hat sich bereits kräftig entzerrt, ich sehe die Führenden (Mann/Frau), die vom Fahrrad begleitet werden im beeindruckendem Tempo, ich sehe und grüße den Gerhard, den man hier genauso sicher wie die Kati antreffen wird. Bärbel und Kerstin kommen etwas dahinter. Kati hingegen ist weiter vorne.

Eine hübsche Dame spricht mich an. Sie habe mich in Mörfelden gesehen. Ich bin etwas erstaunt, dass sie sich ausgerechnet an mich erinnert, wo ich doch dort keinen bleibenden (zumindest keinen positiven) Eindruck hinterlassen haben kann. Doch, klärt sie mich auf, sie erkenne mich an meiner Mütze. Ach ja, diese habe ich auf dem Kopf zum Schutz vor Kälte bei meinem spärlichen Haupthaar und natürlich auch Kati zu Ehren, die diese bunte Mütze gestrickt hat. "Die habe ich von Kati!" erkläre ich stolz (und setze voraus, dass hier jeder die Kati kennt). Lächelnd zeigt sie mir ihre Mütze "Diese ist ebenfalls von Kati!" Zweifelsohne, erkennbar an der Farbigkeit, das stimmt, die Welt ist doch ein Dorf!

Ich gehe in der Runde weiter und gelange in den bewaldeten Abschnitt. Wieder kommt zuerst der Gerhard, dann kurz darauf Bärbel und Kerstin, immer noch gut drauf.

Etwas später sehe ich die Kati. Sie erkundigt sich nach Kerstin. "Etwa 500 m vor Dir, aber in einer anderen Runde", antworte ich ihr.  Ja, das ist klar, auch der Kerstin wird die Überrundung durch Kati kaum erspart bleiben. Ist kein Problem in Rodgau, hier gibt es eine bedeutende Leistungsspanne, aber die Besseren akzeptieren und respektieren die Langsameren ganz selbstverständlich, es sei denn, sie blockieren nebeneinander laufend die Überholmanöver.Verpflegung

Kurz bevor ich meine Gehrunde beende (bin ich jetzt auch ein finisher?), sehe ich die Dame mit Katis Mützchen wieder. Wir stellen uns vor, sie heißt Angela. Sie habe mitbekommen, dass meine Mädels sich in Mörfelden solche Sorgen um mich gemacht haben und dann gesehen, dass ich doch laufend in der Wechselzone angekommen (mit Mützchen) sei und nicht im Krankenwagen. Etwas peinlich! "Tja, da hatte ich etwa 20 Minuten Verspätung" versuche ich zu erklären. Es gäbe solche Tage, versucht sie mich zu trösten.

Im Ziel sehe ich Bärbel bei Achim. Sie hat, ihrem Körper gehorchend, nach 25 Km Feierabend gemacht. Gratulation! So eine Distanz hat sie bislang noch nie absolviert. Rodgau macht es möglich, sie ist auf einem gutem Weg  zur ihrem ersten Marathon. Kerstin hingegen hat noch eine Runde drangehängt.

Die Berherrschung der Grundrechenarten erlaubt eine Prognose, wann sie dann nach 6 Runden und 30 Kilometern im Ziel eintreffen wird. Es ist auch abzuschätzen, dass Kati sie dann eingeholt haben wird, natürlich mit einer Runde mehr. Und so kommt es auch. Ich sehe Kerstin und rechne fest damit, dass sie den Lauf beenden wird. Umso mehr bin ich überrascht, dass sie noch eine Runde dranhängen will. Psychologisch natürlich ein klarer Vorteil für das Vorhaben Marathon, wenn man die 35 Km schon einmal geschafft hat. Ich nehme die Abkürzung zur Verpflegung (800 m nach Start/Ziel), um sie dort nochmal zu motivieren. Sie lässt sich Zeit bei der Verpflegung. Als sie losläuft, ist Kati eingetroffen. "Kerstin ist wenige Meter vor Dir, vielleicht kannst Du sie etwas aufmuntern?"

Mehr kann ich nicht tun. Also kehre ich zum Start/Ziel zurück. Dort ist die Sonne bereits hinter den Bäumen verschwunden und im Schatten wird es langsam ungemütlich für die Bärbel. So kommt es uns lange vor, bis Kerstin im Ziel eintrifft.

Und, welche Überraschung, sie kommt gemeinsam mit Kati strahlend ins Ziel gelaufen! Natürlich wird Kati noch zwei Runden dranhängen, um die 50 Km voll zu machen. Aber man muss sich das vor Augen führen: Kati hat als stärkere Läuferin ihre eigene Ambitionen hinten angestellt (und dabei 3 bis 5 Minuten verloren), um einer schwächeren Läuferin zu helfen, die 35 Km zu schaffen.

Eine solche Einstellung zeichnet großartige Sportler und Menschen aus, Danke Kati!Kerstin n.35 Km im Ziel, Kati bei Km 40

Leider können wir uns nicht revanchieren und auf ihr Finish warten. Dazu ist es einfach zu kalt, selbst für mich, der nicht die Anstrengungen der Langstecke in den Knochen hat und also erst recht für Bärbel und Kerstin. Sorry, Kati! Aber wir sehen uns wieder, in Kandel, Rodgau oder anderswo.

 

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Published by threehoneyballs
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Kommentare

Kati 01/29/2017 19:38

THEO !!!! DU ÜBERTREIBST !!! von wegen großer Sportsgeist. Die Runde mit Kerstin bin ich 2 Minuten schneller gelaufen als die zuvor und 3 Minuten schneller als die beiden danach. Wir haben Gas gegeben, und nicht getrödelt !! das kannst Du in meinen Splitzeiten nachschauen, wenn Du es nicht glaubst. -- und ich coache dort auch keine anderen Läufer, weil nämlich 80% der Anwesenden sowieso alles (ur)alte Hasen sind... Richtig ist natürlich, dass sich das Läuferfeld erstmal in den Armen liegt und jeder jeden kennt, aber wenn Ihr noch ein paar Jährchen dabei seid, geht Euch das genauso :) Es war mir ein Vergnügen :)

threehoneyballs 01/30/2017 17:38

uralt fühle ich mich schon, aber Hase ?, na ja! Stimmt, ihr habt Gas gegeben, und , wie sagst Du: vielleicht ein wenig zu viel Pathos, aber trotzdem nehme ich das mit dem großartigen Sportler und Menschen nicht zurück. Damit musst Du leben!